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Prague news

03.07.2008 - Größere Brüste und weniger Fett – als Schönheitstourist nach Tschechien

Prag ist nicht nur aufgrund seiner vielen Sehenswürdigkeiten so attraktiv für deutsche, österreichische und Schweizer Reisende.

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Denn neben Karlsbrücke, Prager Burg und Wenzelsplatz locken auch Silikon, Botox und Magenband eine spezielle Sorte Touristen ins Land: die Schönheitstouristen. Über Vorteile, Nachteile und persönliche Beweggründe einer Operation in Tschechien diskutierten drei Patienten und eine plastische Chirurgin.

Längst ist auf den Boom der ästhetischen und plastischen Chirurgie auch das deutsche Fernsehen aufmerksam geworden. So begleitete das Boulevard-Magazin „taff“ („täglich aktuelles freches fernsehen“) eine Deutsche, die so ganz und gar nicht mit dem zufrieden war, was ihr Mutter Natur mitgab.

Taff-Moderatorin Annemarie Warnkross moderiert den bunten Beitrag an: „Barbara Baumgartner aus München hasst ihre Brüste, sie findet sie einfach viel zu klein und deshalb hat sie sich für eine Brust-OP entschieden und zwar in Prag. Da sind solche Operationen nämlich viel billiger als bei uns in Deutschland. Aber heißt billig auch gleich gut?“

„Ich finde, sie sind so weit auseinander. Die eine ist viel kleiner als die andere! Ich wünschte mir, sie würden stehen und einfach schöner aussehen“, so Barbara Baumgartner über ihre Brüste.

Die tschechische Schönheitschirurgin Ludmila Šulcová operiert in der Klinik Asklepion in Prag. „Wenn ich 100 Prozent unserer Klienten nehme, sind davon 60 bis 70 Prozent Deutsche“, resümiert die Ärztin, die eine Zeit lang in Heidelberg lebte.

Sieben von zehn Patienten, die sich unter Dr. Šulcovás Messer legen, sind also deutschsprachig. Barbara Baumgartner ist damit eine von vielen. Auch Annemarie Pool aus der Schweiz hat es in tschechische Operationssäle verschlagen:

„Im Juli letzten Jahres war ich das erste Mal in Prag und ließ ein Facelifting machen. Dabei blieb es aber nicht: Anfang Februar habe ich mich entschlossen, mir den Bauch straffen zu lassen“, schmunzelt die 64-jährige Frau.

Wer glaubt, nur das „schwache“ Geschlecht helfe in Tschechien der Natur auf die Sprünge, liegt gänzlich daneben – wie Roland Schriber weiß:

„Ich hab zuviel Haut am Bauch gehabt, weil ich aufgrund eines Magenbandes 60 Kilogramm abgenommen habe. Mit der überschüssigen Haut gab es dann Komplikationen, weil der Gürtel immer daran gerieben hat, was besonders im Sommer sehr schmerzhaft war.“

Einen ganz anderen Beweggrund hatte die Berlinerin Tamara Konz: Es war der Wunsch nach mehr Oberweite, dem sie nach Prag folgte. Warum sie gerade nach Tschechien reiste, um sich die Brüste vergrößern lassen, erklärt sie so:

„Ich habe mich lange informiert. Eine Freundin von mir ist plastische Chirurgin und hat mich beraten. Mir hat gut gefallen, dass die Ärzte in Tschechien eine zusätzliche Ausbildung in plastischer Chirurgie neben ihrer medizinischen Ausbildung machen müssen und erst dann arbeiten dürfen. Das ist in Deutschland nicht so.“

Schönheitschirurgin Ludmila Šulcová kann das bestätigen: „Unsere Ausbildung ist umfangreich. Wir müssen das ganz normale Diplom wie Ärzte haben, dann müssen wir die Prüfung in allgemeiner Chirurgie ablegen. Nach weiteren fünf Jahren müssen wir die Prüfung in allgemeiner plastischer und ästhetischer Chirurgie machen. Danach haben wir die Möglichkeit, unsere Lizenz vorzubereiten, und erst dann dürfen wir als plastische Chirurgen arbeiten.“

Erst zwölf Jahre nach dem Medizinstudium beginnen deswegen tschechische Schönheitschirurgen zu praktizieren. Für viele ausländische Kunden wie Tamara Konz aus Berlin ist das entscheidend. Doch auch andere Faktoren spielen eine wichtige Rolle:

„Für Tschechien hatte ich mich primär aus einem bestimmten Grund entschieden: Ich wusste, dass in Tschechien in früheren Jahren auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie Pionierarbeit geleistet wurde. Auch in der Schweiz ist mein Frauenarzt Tscheche, und als meine Kinder kleiner waren, hatte ich einen tschechischen Augenarzt. Ich hatte immer schon ein gutes Gefühl, wenn ich Tschechien hörte“, meint Annemarie Pool.

Und damit hat sie gar nicht einmal Unrecht. Die plastische Chirurgie hat in Tschechien eine lange Tradition: In der Ersten Tschechoslowakischen Republik wurden die Grundlagen für die Entwicklung der Schönheitschirurgie auf der ganzen Welt gelegt. Die ersten Operationen wurden hier bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durchgeführt.

Der Arzt František Burian eröffnete 1937 in Prag die weltweit erste Klinik für plastische Chirurgie. Patienten waren vor allem durch den Ersten Weltkrieg entstellte Soldaten, die sich erhofften, durch die ästhetische Chirurgie ein Stück Normalität zurückzuerlangen. Mit der Zeit entwickelte Burian immer mehr Operationstechniken. So fanden bald auch gut situierte Kunden den Weg in die Prager Schönheitsklinik.

„Das waren zum Beispiel Fabrikbesitzer. Sie haben Faceliftings, Lidstraffungen und Nasenkorrekturen machen lassen. Meine Tante war damals auch plastische Chirurgin und hat diese Eingriffe durchgeführt“, berichtet Dr. Šulcová.

Trotzdem ist sie sich sicher, dass es nicht die lange Tradition und erstklassige Ausbildung sind, die die unzähligen Schönheitstouristen nach Tschechien locken, sondern die günstigen Preise.

Roland Schriber kann ein Lied davon singen. Er nahm 60 Kilogramm ab. Der Speck war weg, die Haut aber blieb.

„In der Schweiz hab ich mich mal erkundigt bei meiner Krankenkasse, aber die wollten das nicht bezahlen. Es gilt nämlich nicht als Krankheit, sondern als Schönheitsfehler. Somit war das für die gegessen. Dann habe ich mich erkundigt, was das Ganze in der Schweiz kosten würde. Für meine Verhältnisse war es jenseits des Tragbaren. Dann hab ich mich im Internet erkundigt und in verschiedenen Ländern Kliniken gefunden, die ich dann auch bereist habe. Letztlich bin ich dann in Prag gelandet. Ich war vom ersten Moment an überzeugt, dass das die Klinik ist, in der ich mich operieren lassen werde“, versichert Schriber.

Annemarie Pool hatte ihr Geld eigentlich für eine Australienreise gespart. Dort gewesen ist sie bis jetzt nicht, finden sich doch immer wieder neue Anlagemöglichkeiten für die 64-Jährige:

„Ich bin ja keine Millionärin. Weil ich in Tschechien war, habe ich das mit dem Bauch noch machen lassen können. Ich werde in absehbarer Zeit eben noch einmal nach Prag fahren. Es ist wie eine Sucht - ich lass mir jetzt die Oberarme straffen. Aber ich denke, dass ich auch einmal aufhören muss. Trotzdem war das für mich die beste Investition meines Lebens.“

Tamara Konz hat durch die Entscheidung für Tschechien viel Geld gespart. In Deutschland hätte sie für dieselbe chirurgische Qualität nämlich 6000 bis 8000 Euro bezahlt. Weshalb hat die Berlinerin in Tschechien aber für eine größere Oberweite nur 2400 Euro auf den Tisch legen müssen? Ganz einfach: Mieten, Personal- und Materialkosten sind oft um ein vielfaches günstiger – als zum Beispiel in der Schweiz, wie Roland Schriber erzählt:

„In der Schweiz hatte man Preisvorstellungen von 25.000 bis 30.000 Schweizer Franken, das sind etwa 20.000 Euro. Und in Prag hat alles zusammen 5000 Schweizer Franken gekostet, was ungefähr 3000 Euro entspricht.“

Trotz Ausbildung, Tradition und Preis – es bleibt ein entscheidender Nachteil: Ist die OP über die Bühne gegangen, fährt der Patient nach zwei, drei Tagen Bettruhe wieder gen Heimat. Was, wenn Komplikationen auftreten? Da hilft nur Vertrauen, sagt Annemarie Pool. Roland Schriber wollte sich nicht auf sein Bauchgefühl verlassen und holte sich Expertenrat ein:

„Bei meinem ersten Klinikbesuch war eine Bekannte von mir dabei, die Arztgehilfin ist. Sie hat medizinische Fragen gestellt, die absolut kompetent beantwortet wurden. Ich habe mich dann auf ihren Rat hin festlegen können.“

Trotzdem: Wer seiner Familie offenbart, sich den Bauch straffen zu lassen, muss mit Protesten rechnen. Wer sich dafür aber auch noch ins Ausland begibt, der wird mit Vorurteilen überschwemmt. So auch Annemarie Pool:

„Ich hab in der Familie einen Arzt, das hat natürlich Vorurteile. Aber wissen Sie, das imponiert mir nicht, beeindruckt mich auch nicht, weil ich ja jetzt Beweise habe.“

Roland Schriber kennt das beklemmende Gefühl vor der OP im Ausland aus eigener Erfahrung:

„Man hat schon Vorurteile, sobald man ostwärts geht. Wenn man sich dort operieren lässt, kommt sofort die Angst hoch, dass während der Narkose in einer fremden Klinik irgendwas passieren könnte, was man nicht will. Man weiß ja nicht, was passiert. Das muss ich allerdings absolut widerlegen.“

Annemarie Pool hat durch ihre ästhetischen Nachhilfen in Prag Freundschaften der besonderen Art geschlossen:

„Ich geh jetzt mit einer Schweizerin, die ich dort kennen gelernt habe, noch einmal nach Prag in zwei Wochen. Wir lassen uns die Oberarme straffen. Dann bin ich jetzt das dritte Mal dort und sie kommt das zweite Mal.“ (lacht)

(radio-Prag)


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