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05.07.2008 - Mehr Leben an der Moldau - Uferpromenade als Galerie und Bühne

Für die Mehrheit der Prag-Besucher ist die Promenade am rechten Moldauufer unweit der Galerie Mánes nur der Ort, an dem die Ausflugsboote ihre Anker lichten.

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Die Prager haben die Uferpromenade aber immer schon zu Spaziergängen genutzt. Irgendwie war ihnen dabei das Moldauufer ein Ersatz für die Meeresküste. In Prag schweifte der Blick dabei natürlich nicht in die Ferne, sondern zum Hradschin. Nun wurde vor einigen Tagen ein Projekt gestartet, mit dem die Uferpromenade am rechten Ufer im Sommer neues Leben erhalten soll.

Wenn man unweit der Palacký-Brücke die Treppe hinunter geht, kommt man auf die gepflasterte Uferpromenade, in deren Mitte ein Radweg entlang führt. Der Radweg wird viel genutzt. Es scheint jedoch, dass UNESCO: Dresdner Elbtal behält Welterbe-Titel ...
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sich die spazierenden Prager noch nicht ganz an ihn gewöhnt haben. Den glatten Radweg finden vor allem viele ältere Fußgänger viel angenehmer zum Spazieren als die grob gepflasterte Promenade. Denn das historische Pflaster gehört zum Kai, der in der heutigen Form erst nach 1870 errichtet wurde. Pavel Uher leitet die Firma „Pražská servisní“, die seit einigen Jahren die Promenaden am rechten Moldauufer verwaltet. Insgesamt kümmert er sich um 5 Kilometer Moldauufer, wovon die niedrige direkt am Fluss liegende Uferpromenade etwa 2,5 Kilometer bildet.

„Die Prager Kaianlagen haben eine interessante Geschichte. Sie wurden ein ganzes Jahrhundert lang gebaut und ergänzt. Bei der großen Flutkatastrophe im Jahre 1870 wurden nämlich die Prager Altstadt und die Kleinseite stark beschädigt. Der Stadtrat hat damals beschlossen, diese hohen Kais, wie wir sie heute kennen, zu errichten, um die Altstadt sowie die Kleinseite vor Wasser zu schützen. Das Projekt war für die damaligen Verhältnisse recht grandios. Es wäre vielleicht gut, eine kleine Ausstellung über die Geschichte des Moldaukais mal in einer der Räumlichkeiten auf der Promenade zu machen.“

Für Pavel Uher wäre es wahrscheinlich kein Problem, eine solche Ausstellung zusammenzustellen. Denn wie er sagt, interessiert er sich seit Jahren für die Moldau und ihre Umgebung und sammelt verschiedene Gegenstände, die mit dem Moldaugebiet zusammenhängen. Sein Tipp für die Prag-Besucher:

„Ich meine, dass es am besten ist, den Spaziergang am rechten Moldauufer mit einem Besuch des Vyšehrad zu verbinden. Wenn man vom Vyšehrad runter zur Moldau kommt, hat man beim Spaziergang stromabwärts einen schönen Blick auf die schönsten Moldaubrücken – auf die Jirásek-Brücke, dei Mánes-Brücke oder die Karlsbrücke. Dabei kann man an einer kurzen Dampferfahrt auf der Moldau teilnehmen. Auf der Promenade kann man bis ins Stadtzentrum spazieren. Auch denjenigen, die nur zu einem Kurzbesuch in Prag weilen, würde ich den Spaziergang vom Vyšehrad bis ungefähr zur Pariser Straße empfehlen.“

Als guter Kenner dieser Prager Gegend macht Pavel Uher noch auf ein interessantes architektonisches Detail aufmerksam, das für die ganze Kaianlage typisch ist: ein Steinrad, das an das Rad von Hochseeschiffen erinnert.

„Dieses Motiv taucht auf dem ganzen Kai auf. Obwohl das Geländer auf dem Moldauufer nicht immer gleich aussieht, findet man das Rad dort überall. Es ist überraschend, dass man darüber keine Erwähnung in den Stadtführern findet.“

Seit Anfang Juli verwandelte sich die Uferpromenade zwischen der Eisenbahnbrücke und der Mánes-Galerie in eine Open-Air-Galerie, in der man Kunstinstallationen von renommierten tschechischen Künstlern sowie von Studenten der Kunsthochschulen bewundern kann. Ivo Slavík von der Bürgerinitiative „Dvojka sobě“:

„Die Besucher können hier Installationen von Milan Cais und Milan Houser oder auch den ´Zen-Würfel´ von Architekt Martin Rajniš besichtigen. Rajniš hat sich in den letzten Jahren auf ökologische Holzbauten spezialisiert, und dieser Würfel ist einer davon. An der Uferpromenade wollen wir auch ein musikalisches Programm anbieten.“

An der Moldau kann man echte Originalmusiker erleben – wie beispielsweise am 8. Juli die Gruppe „Docuku“, die sich auf mährisch-schlesische, polnische, slowakische, aber auch balkanische Volksmusik spezialisiert. „Vrbovskí víťazi“ heißt das slowakische Duo, das am 19. August am Moldauufer gastieren wird. Die beiden Mitglieder dieser Band bedienen eine sehr spezielle Sammlung von Musikinstrumenten: ihre Blasinstrumente basteln sie grundsäzlich aus Kunststoffröhren, Schläuchen, Plastikflaschen und alten Staubsaugern. Ivo Slavík empfiehlt auch eine weitere ausländische Kapelle:

„Es kommen auch die Favoriten des tschechischen Publikums – die französische Kapelle Sergent Pepere. Sie werden am 22. Juli an der Moldau spielen. Das Programm wurde mit Rücksicht darauf zusammengestellt, dass es rhythmische, scheinbar einfachere Musik sein soll, bei der man nicht lange braucht, um sich reinzuhören. Alle Kapellen spielen sowohl für diejenigen, die beim Vorbeigehen nur für zehn Minuten stehen bleiben und sich die Musiker anhören, als auch für diejenigen, die das ganze Konzert hören wollen.“

Ivo Slavíks Projekt zum Beleben des Moldauufers knüpft an die Ausstellungen an, die er voriges Jahr im Garten der allgemeinen Uni-Klinik in Prag organisierte. Eines der Kunstobjekte war so groß, dass es dort nicht installiert werden konnte, und so kamen Slavíks Mitarbeiter auf die Idee, das Kunstobjekt auf der Uferpromenade am rechten Moldauufer zu präsentieren. Die Reaktionen der Vorbeigehenden waren damals recht positiv und so entschieden sich die Mitglieder der Bürgerinitiative „Dvojka sobě“, in diesem Sommer die Promenade mit bildender Kunst, Musik und Design zu beleben. Das Programm „Moldau 2008“ trägt den Untertitel „Stadt, Wasser, Licht“. Kommt diese Kombination auch in einigen der Installationen zum Ausdruck? Ivo Slavík:

„Eines der Werke von Petr Závorka, dem Studenten der Prager Kunstgewerbehochschule, wird unter dem Moldauspiegel installiert. Es handelt sich um Neonlichter.“

Die Veranstalter haben vor, in Zukunft auch beispielsweise geschützten Werkstätten auf der Promenade Raum für die Vorstellung ihrer Produkte zu geben. Sie wollen dorthin auch das Obdachlosentheater „Ježek a Čížek“ einladen.

Fotos: Autorin



(radio-Prag)


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